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Authentic Writing: Echte Markenstimmen für mehr Relevanz

7 Min. Lesezeit · 18. September 2026

18. September 20267 Min. Lesezeit
Authentic Writing: Echte Markenstimmen für mehr Relevanz

Veröffentlicht

18. September 2026

Auf einen Blick

7 Min. Lesezeit

Artikelinhalt

Praxiswissen und konkrete Takeaways

Content Marketing

Dieser Beitrag fasst zusammen, was Kommunikationsstrategin und Texterin Beate Tomczak im Rahmen des Digital Bash Webinars zur Content-Marketing-Ausgabe von OnlineMarketing.de darüber erzählt hat, wie eine authentische Markenstimme trotz KI-Einsatz möglich bleibt und welche Vorteile das bringt.


Das Problem: LinkedIn ist voller Einheitsbrei

Wenn du durch LinkedIn scrollst, merkst du schnell – die meisten Beiträge wirken austauschbar. Ein Post nach dem anderen, dieselbe Struktur, dieselbe Sprache, derselbe Rhythmus. Dabei wird so viel Potenzial verschenkt. Denn Menschen sehnen sich nach Menschlichkeit, erst recht in einer Zeit, in der KI überall generiert. Beate Tomczak, die seit 13 Jahren als Texterin arbeitet und sich heute als Kommunikationsstrategin für Soloselbstständige positioniert, beobachtet diesen Effekt täglich. Das Ergebnis ist brutal: Interessierte scrollen einfach vorbei, kommentieren nichts, weil nichts heraussticht. Dein Content wird zur Statistik – austauschbar, vergessen, überschattet. Dabei ist die Lösung nicht komplizierter, sie beginnt nur woanders: bei deiner eigenen Stimme.

Wege zum Auffallen – aber nicht auf Kosten deiner Person

Es gibt mehrere Stellschrauben, an denen du drehen kannst: den Inhalt oder die Aussage, die Sprache, das Foto, das Format. Viele denken dabei sofort an Trigger Posts – provokative Beiträge, die absichtlich aufzufallen versuchen. Allerdings muss ein Inhalt überhaupt nicht provozierend sein, um herauszustechen. Es reicht auch eine relevante Erkenntnis aus deinem Fachbereich oder ein Thema, über das sonst nicht so viel gesprochen wird. Du kannst zudem bei einem Thema herausstechen, das andere zigfach täglich posten – nämlich einfach über deine eigene Sprache. Ein Beispiel: Wer einen LinkedIn Post mit „Heidewitzka, mein LinkedIn ist gecrasht" einleitet, wird gesehen. Nicht, weil die Aussage revolutionär ist, sondern weil diese Formulierung so selten ist, dass sie automatisch auffällt. Hier liegt allerdings auch gleich die Falle: Wenn du nur auffallen möchtest, ohne dass deine persönliche Note mitkommt, kann ein Vertrauensbruch entstehen – und das wird kompliziert.

Der Vertrauensbruch: Warum dein Content zur Person passen muss


Erwartungen und Realität

KI-generiert via ChatGPT

Tomczak erklärt diesen Effekt mithilfe einer Analogie: Stell dir vor, du kennst jemanden über eine Dating App. Durch die Nachrichten und das Foto entsteht ein bestimmtes Bild davon, wie diese Person ist. Kommt es zum ersten Date und die Person sieht völlig anders aus oder gibt sich anders – entsteht sofort ein Vertrauensbruch. Nicht, weil die Person schlecht ist, sondern weil deine Erwartungshaltung nicht erfüllt wurde. Dasselbe passiert mit deinem Content. Durch deine Beiträge entsteht ein ganz bestimmtes Bild darüber, wer du bist und wie du tickst. Kommt es später zum Kennenlerngespräch – und du verhältst dich völlig anders –, entsteht auch hier ein Vertrauensbruch. Das bedeutet nicht, dass das Gespräch schlecht läuft. Es bedeutet, dass die andere Person zunächst diese Hürde überwinden muss. Das ist anstrengend und vermeidbar. Daraus ergeben sich zwei zentrale Regeln für deine Markenstimme: Erstens muss dein Content herausstechen. Zweitens muss er unbedingt zu deiner Person passen. Beides muss zusammenkommen. Andernfalls vertrauen dir Menschen nicht und du fühlst dich selbst unwohl mit dem, was du postest.

Warum KI-Texte so austauschbar wirken

KI spielt dabei eine spannende Rolle, allerdings auch eine tückische. Wenn du KI von Anfang an nutzt, ohne dass du selbst deine Markenstimme kennst, gerätst du in einen Loop. Du versuchst, einen Text zu schreiben, wirst frustriert, fragst die KI um Hilfe und lernst dabei nichts über deine eigene Stimme. Der nächste Textversuch wird wieder frustriert verfasst, wieder fragst du die KI. Das Schreiben wird zunehmend vermieden. Der Grund ist simpel: Der Input ist schlecht, also ist der Output auch schlecht. Tomczak drückt es so aus: Ist die eigene Markenstimme nicht klar, kann auch die KI sie nicht kennen, weil sie diese Information irgendwoher beziehen muss. Deshalb enden viele KI-Texte als sogenannte AI Slop – austauschbarer, KI-generierter Content, der allen ähnelt und niemandem hilft. Das löst sich nur mit einem klaren Input: einer Markenstimme, die dir selbst bekannt ist.

3 Schlüssel zur echten Markenstimme

Schlüssel 1: Strategien und Vorlagen zurückstellen

Viele Marketer arbeiten nach bewährten Vorlagen. Das Problem: Solche Templates können dich von dir selbst entfernen. Wenn du denkst „Ich habe diese Strategie gesehen, also mache ich das so" oder wenn du einen Kurs mit tausend Vorlagen absolvierst und zu 100 Prozent danach arbeitet – verlierst du die eigene Stimme. Tomczaks Rat klingt provokativ, ist aber ernst gemeint: Lieber ein „ranziges Auto", also eine noch unausgefeilte Strategie, in der du aber selbst drinsitzt, als eine Top-Strategie ohne deine Person.

"Sitzt du nicht selbst darin, bringt dich das Auto nirgendwohin. Es ist bestenfalls ein selbstfahrendes Auto, das allein in die Stadt fährt, während du selbst auf der Veranda sitzt". Beate Tomczak

Der Ausgangspunkt sollte also sein: Zunächst du selbst sein. Dann, falls gewünscht, eine Strategie darüber legen – nicht andersherum.

Schlüssel 2: Eine Pause von KI bei der Texterstellung

Der zweite Schlüssel: eine Pause von mindestens zwei, besser vier Wochen ohne KI für die Texterstellung. Der Grund ist simpel. Nur wenn du selbst schreibst, auch wenn der Text frustrierend ist, lernst du deine Stimme kennen. KI-Hilfe kann später kommen, aber nicht, bevor du weißt, wer du schreiberisch bist. Das bedeutet nicht, dass du perfekte Texte schreiben musst. Es bedeutet, dass du dich auf einen Lernprozess einlässt. Dabei merkst du schnell: Mit jeder weiteren Übung wird der Frust kleiner und die Klarheit größer. Deshalb wirkt dieser Ansatz: Der Loop durchbricht sich selbst.

Schlüssel 3: Außenperspektive einholen

Der dritte Schlüssel: Hol dir Feedback von außen. Das kann ein Ghostwriter sein, eine Freundin mit Textsinn oder ein professionelles Markenstimmen-Coaching. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und genau dann hilft ein Spiegel von außen. Diese Außenperspektive kann dir zeigen, wie du tatsächlich wirkst, und dir Vertrauen in deine eigene Stimme geben.

5 Quick-Tipps zum Trainieren deiner SchreibstimmeKopie-von-Mailheader-600x300-px-4.png

KI-generiert via ChatGPT

Tomczak hat fünf konkrete Tipps mitgebracht, die sofort funktionieren:

1. Beiträge aufnehmen statt zu tippen

Stelle dir vor, du schreibst eine Sprachnachricht an deine beste Freundin. Transkribiere diese Audionachricht anschließend. So gewinnt dein Text automatisch Natürlichkeit zurück. Der Trick: Die Vorstellung macht dein Hirn weniger selbstbewusst.

2. Mit emotionalen Themen starten

Je trockener ein Thema, desto schwerer fällt es, die persönliche Note einzubringen. Starte deshalb mit Beiträgen über Dinge, die dich im Job überrascht, genervt oder enttäuscht haben, nicht mit Betriebsanleitungen.

3. Der Perfektionismustrick

Wenn die leere Seite lähmt, fülle zunächst nur drei Sätze aus: „Ich will einen Beitrag schreiben über …“, „Dabei ist mir wichtig, dass rüberkommt, dass …“, „Folgendes habe ich mal erlebt, und das passt perfekt dazu …“ Aus diesen drei Sätzen lässt sich dann ein ganzer Beitrag zusammensetzen.

4. 5-Minuten-Timer stellen

Schreib so schnell wie möglich durch, ohne Pausen, ohne Nachdenken. Je weniger dein rationales Gehirn Zeit hat, sich einzuschalten, desto mehr kommt deine Intuition durch.

5. Text laut vorlesen

Wo du beim Lesen stockst, formulierst du um, in deine eigenen Worte. Das ist die schnellste Weise, austauschbare Floskeln zu entfernen.

Diese fünf Techniken sind subtil, brauchen Zeit, aber genau das ist der Punkt. Mit der Zeit stellt sich die eigene Markenstimme automatisch ein.

Kann ich KI nutzen und trotzdem authentisch sein?

Ja, aber nur wenn du vorher weißt, wer du bist. Tomczak selbst nutzt KI nicht zur Texterstellung. Sie arbeitet nach eigener Aussage lieber mit den traditionellen Mitteln. Sie betont aber: Ob KI, Ghostwriter oder Eigenarbeit: Entscheidend ist, dass deine persönliche Stimme im Ergebnis enthalten ist. Wie bringst du KI deine Markenstimme bei? Indem du deine bisherigen Beiträge in die KI eingibst und sie bittest, den Stil zu extrahieren und fortzuführen. Voraussetzung: Du hast die Stimme vorher selbst gefunden.

Die Faustregel lautet: Wer Zeit sparen möchte, arbeitet mit KI oder Ghostwriter. Wer Geld sparen möchte, macht es selbst oder nutzt KI. Die Methode ist egal, solange deine Authentizität darin steckt.

Das wichtigste in Kürze


Über Beate Tomczak

Beate-Tomczak Speakering beim Digital Bash

Beate Tomczak ist seit 13 Jahren als Texterin tätig und hat verschiedene berufliche Stationen durchlaufen – von Journalismus über PR bis zum Head of Content und Community Management. Seit 2022 arbeitet sie selbstständig als Kommunikationsstrategin für Soloselbstständige und Unternehmen. Sie verfügt über einen Master in Politikwissenschaft und Soziologie. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung authentischer Markenstimmen ohne KI-Austauschbarkeit, aber auch ohne unnötige Perfektion.

Wer keine weiteren Insights wie diese verpassen möchte, findet einen Überblick über kommende Webinare und Events auf der Website des Digital Bash. Die Event-Reihe bietet kostenfreie Ausgaben zu diversen Themen, Woche für Woche.

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